ANSES warnt erneut vor Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln

Die französische Agentur für Lebensmittelsicherheit (ANSES) bekräftigt ihre Warnung: Nahrungsergänzungsmittel können toxisch sein. 2024 wurden rund 500 Nebenwirkungen gemeldet.

Die französische Agentur für Lebensmittelsicherheit (ANSES) bekräftigt ihre Botschaft: Nahrungsergänzungsmittel, die oft als harmlos wahrgenommen werden, können toxisch sein.

Fehlende Regulierung als Problem

Im Gegensatz zu Arzneimitteln benötigen Nahrungsergänzungsmittel keine Marktzulassung. Aymeric Dopter, Leiter einer Abteilung bei ANSES, präzisiert: *"Für einige von ihnen ist das Wissen gering. Im Internet entdeckt man einen Markt von allem und jedem."*

Ein großer Teil der Bevölkerung denkt fälschlicherweise, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll ist, um Defizite auszugleichen, selbst bei einer ausgewogenen Ernährung. Doch ein Überschuss an Vitaminen und Mineralstoffen birgt Risiken.

Nutrivigilance-System: 500 Meldungen in 2024

ANSES erfasst regelmäßig unerwünschte Wirkungen über sein Nutrivigilance-Meldesystem. Im Jahr 2024 gingen etwa 500 Meldungen ein, darunter rund 20 schwerwiegende Fälle, die Warnungen rechtfertigten.

Mehrere Ursachen für Toxizität

1. Toxische Inhaltsstoffe - Gummibärchen für Haare: Diese verursachten schwere Leberprobleme bei zwei Verbrauchern im Jahr 2020, einer benötigte eine Lebertransplantation - Garcinia cambogia: Produkte mit diesem Inhaltsstoff wurden mit zahlreichen Nebenwirkungen und sogar einem Todesfall in Verbindung gebracht, was zum Verbot des Wirkstoffs in Arzneimitteln führte - Roter Hefereis: Kann bei Unter- oder Überdosierung hepatische und muskuläre Toxizität verursachen

2. Wechselwirkungen - Melatonin oder kalifornischer Mohn können mit verschiedenen Medikamenten interagieren - Ein Fall wurde zitiert, bei dem die Viruslast eines HIV-positiven Mannes unkontrolliert wurde, nachdem er Vitamin- und Mineralstoffpräparate konsumiert hatte, die mit seiner Dreifachtherapie interagierten

3. Betrügerische Fälschung Viele Fälle von Verfälschung wurden entdeckt, insbesondere bei Nahrungsergänzungsmitteln zur Gewichtsreduktion und zur Behandlung von Erektionsstörungen.

4. Fehlgebrauch Falsche Anwendung, wie z.B. Eltern, die ihren Säuglingen versehentlich falsche Dosen von Vitamin D verabreichen, die sie online statt verschriebener Medikamente gefunden haben, kann zu irreversiblen Nierenschäden führen.

Wann sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

ANSES identifiziert nur wenige spezifische Situationen, in denen eine Supplementierung nützlich oder unverzichtbar sein kann:

  • **Vitamin B12**: Unverzichtbar für Veganer zur Ergänzung ihrer Ernährung
  • **Vitamin D**: Empfohlen für Säuglinge und Personen mit unzureichender Sonnenexposition
  • **Omega-3**: Potenziell vorteilhaft für Personen mit Fischallergie
  • **Vitamin B9 (Folsäure)**: Für Frauen im gebärfähigen Alter, die schwanger werden möchten, wenn ihr Status unzureichend ist

ANSES-Empfehlungen

ANSES rät von der weit verbreiteten Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln ab und stellt fest, dass ihr Konsum fälschlicherweise normalisiert wurde. Die Behörde warnt besonders vor bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln für Sportler, insbesondere solchen, die auf Muskelaufbau oder Fettreduktion abzielen.

Diese Produkte wurden mit potenziell schwerwiegenden kardiovaskulären (Tachykardie, Arrhythmie, Schlaganfall) und psychologischen (Angst, Stimmungsstörungen) Auswirkungen in Verbindung gebracht.

Fazit

Die Warnung von ANSES unterstreicht die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs mit Nahrungsergänzungsmitteln. Verbraucher sollten:

  • Vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln medizinisches Fachpersonal konsultieren
  • Mehrfacheinnahmen verschiedener Präparate vermeiden
  • Auf mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten achten
  • Produkte nur von seriösen Quellen beziehen
  • Bei Nebenwirkungen sofort einen Arzt aufsuchen und diese dem Nutrivigilance-System melden

*Hinweis: Diese Zusammenfassung dient Informationszwecken. Die dargestellten Studienergebnisse sind keine zugelassenen Health Claims. Für detaillierte Informationen konsultieren Sie bitte die Originalquelle.