EFSA legt neue Sicherheitsschwellenwerte für Cereulid in Säuglingsnahrung fest
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat nach mehreren Rückrufen neue Grenzwerte für das Toxin Cereulid in Säuglingsnahrung vorgeschlagen, um Hersteller und Regulierungsbehörden zu unterstützen.
Nach zwei Monaten voller Kontaminationssorgen und vorsorglicher Rückrufe hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nun Richtlinien veröffentlicht. Die Behörde schlägt maximale Schwellenwerte für das Toxin Cereulid in Säuglingsnahrung vor.
Hintergrund: Kontamination in Säuglingsnahrung
Einige der größten Namen in der Säuglingsnahrungsbranche stehen vor erheblichen Störungen aufgrund von Bedenken, dass ihre Produkte mit Cereulid kontaminiert sein könnten – einem Toxin, das mit Übelkeit und Erbrechen in Verbindung gebracht wird. Cereulid wird von bestimmten Bakterien der *Bacillus cereus*-Gruppe produziert. Wenn die Sporen keimen und sich die Bakterien vermehren, kann dies zur Entwicklung von Cereulid in Lebensmitteln führen.
Nestlé, Danone und Lactalis gehören zu den Unternehmen, die vorsorgliche Rückrufe durchgeführt haben. Die Kontamination soll von einem Lieferanten von Arachidonsäure (ARA)-Öl stammen, das Säuglingsnahrung zur Unterstützung der Gehirn- und Netzhautentwicklung zugesetzt wird.
Neue EFSA-Grenzwerte
Auf Anfrage der Europäischen Kommission hat die EFSA bestimmt, wie viel Cereulid Säuglinge in kurzer Zeit sicher konsumieren können. Die sichere Dosis wird als akute Referenzdosis (ARfD) bezeichnet.
Das Ergebnis: Laut EFSA sollten Säuglinge nicht mehr als 0,014 Mikrogramm Cereulid pro Kilogramm Körpergewicht konsumieren.
Diese Schätzung basiert auf früheren Forschungen, die es der EFSA ermöglichten, die Dosis von Cereulid zu berechnen, die mit einem 10%igen erhöhten Risiko für Erbrechen verbunden ist. Die Behörde wendete dann Sicherheitsmargen an und berücksichtigte, dass Säuglinge Chemikalien langsamer verarbeiten als Erwachsene, um zu einem sicheren Aufnahmeniveau zu gelangen.
Schwellenwerte für Säuglingsanfangs- und Folgenahrung
Wie übersetzt sich dieser neue Grenzwert auf Säuglingsnahrung?
Die Berechnungen der EFSA legen nahe, dass für Säuglingsanfangsnahrung Cereulid-Werte über 0,054 Mikrogramm pro Liter den sicheren Grenzwert überschreiten könnten.
Bei Folgenahrung liegt der Schwellenwert bei 0,1 Mikrogramm pro Liter.
Alles über diesen Werten birgt das Risiko akuter Auswirkungen wie Erbrechen bei Säuglingen.
Diese Schwellenwerte wurden berechnet, indem die ARfD auf die Menge an Nahrung angewendet wurde, die Säuglinge typischerweise an einem Tag konsumieren: 260 ml pro Kilogramm Körpergewicht für Standard-Säuglingsanfangsnahrung und 140 ml pro Kilogramm für Folgenahrung.
Klarheit für Regulierungsbehörden und Hersteller
Dass bisher kein maximaler Schwellenwert für Cereulid existierte, ist ein Versäumnis, wie die führende Mikrobiologin Prof. Monika Ehling-Schulz betont, die vor fast einem Jahrzehnt die ISO-Methode zur Erkennung des Toxins mitentwickelt hat.
Erst letzte Woche forderte die führende Mikrobiologin, dass maximale Werte definiert werden sollten, da ohne einen regulatorischen Standard "niemand abschließend sagen kann, was sicher ist und was nicht".
Jetzt, da die EFSA neue Richtlinien veröffentlicht hat, werden EU-Risikomanager leichter bestimmen können, wann Produkte vom Markt genommen werden sollten. Die neuen Leitlinien bieten auch Klarheit für Hersteller, die ihre eigenen Sicherheits- und Qualitätskontrollen durchführen, bevor Produkte auf den Markt kommen.
Bedeutung für die Branche
Diese neuen Schwellenwerte sind ein wichtiger Schritt zur Gewährleistung der Sicherheit von Säuglingsnahrung in der EU. Sie bieten:
- **Klare Grenzwerte** für Hersteller bei der Qualitätskontrolle
- **Rechtssicherheit** für Regulierungsbehörden bei Produktrückrufen
- **Verbraucherschutz** durch wissenschaftlich fundierte Sicherheitsstandards
- **Harmonisierung** der Sicherheitsanforderungen in der EU
Die Branche wird nun diese Grenzwerte in ihre Qualitätssicherungssysteme integrieren müssen, um die Sicherheit von Säuglingsnahrung zu gewährleisten.
*Hinweis: Diese Zusammenfassung dient Informationszwecken. Die dargestellten Studienergebnisse sind keine zugelassenen Health Claims. Für detaillierte Informationen konsultieren Sie bitte die Originalquelle.
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