EU-Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe: Neue wissenschaftliche Grundlagen

Die EU plant harmonisierte Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. EFSA-Neubewertungen bilden die wissenschaftliche Grundlage für diese wichtigen regulatorischen Änderungen.

# EU-Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe: Neue wissenschaftliche Grundlagen

Die Festlegung von Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln bleibt eine der zentralen Herausforderungen der europäischen Lebensmittelregulierung. Eine aktuelle wissenschaftliche Publikation beleuchtet die komplexen Abwägungen zwischen Sicherheit und ernährungsphysiologischer Wirksamkeit.

Hintergrund

Seit 2021 plant die Europäische Kommission die Einführung harmonisierter Höchstmengen für Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln. Die Grundlage bilden die Neubewertungen der tolerierbaren täglichen Aufnahmemengen (Tolerable Upper Intake Levels, ULs) durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Die Richtlinie 2002/46/EG über Nahrungsergänzungsmittel sieht zwar die Festlegung von Höchst- und Mindestmengen vor, doch fehlt bislang eine umfassende EU-weite Harmonisierung. Dies hat dazu geführt, dass einzelne Mitgliedstaaten wie Italien, Frankreich, Belgien und Spanien eigene nationale Grenzwerte etabliert haben.

Kernaussagen

  • **EFSA-Neubewertungen**: Die EFSA hat für zahlreiche Nährstoffe aktualisierte ULs veröffentlicht, darunter Vitamin B6 (Senkung von 25 auf 12 mg/Tag für Erwachsene), Vitamin D (100 µg/Tag für Erwachsene) und Selen (Senkung von 300 auf 255 µg/Tag)
  • **BfR-Empfehlungen**: Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung hat basierend auf den EFSA-Bewertungen angepasste Höchstmengenvorschläge für Deutschland vorgelegt
  • **Fehlende Harmonisierung**: Die unterschiedlichen nationalen Regelungen erschweren den Binnenmarkt und schaffen Rechtsunsicherheit für Hersteller
  • **Wissenschaftliche Herausforderungen**: Für einige Nährstoffe wie Eisen können keine ULs festgelegt werden, da die Datenlage unzureichend ist

Auswirkungen für Hersteller

Die geplanten EU-weiten Höchstmengen werden erhebliche Auswirkungen auf die Produktformulierung haben. Hersteller müssen ihre Rezepturen möglicherweise anpassen, insbesondere bei Vitamin B6 und Selen, wo die vorgeschlagenen Grenzwerte deutlich niedriger liegen als bisher in einigen Mitgliedstaaten erlaubt.

Die fehlende Harmonisierung bedeutet derzeit, dass Produkte für verschiedene EU-Märkte unterschiedlich formuliert werden müssen. Eine einheitliche EU-Regelung würde hier Vereinfachungen bringen, erfordert aber auch Investitionen in Produktanpassungen.

Handlungsempfehlungen

  • **Monitoring**: Verfolgen Sie die laufenden EFSA-Bewertungen und Kommissionsentscheidungen zu Höchstmengen
  • **Produktprüfung**: Überprüfen Sie Ihre aktuellen Formulierungen auf Konformität mit den vorgeschlagenen Grenzwerten
  • **Marktstrategie**: Bereiten Sie sich auf mögliche Produktanpassungen vor, insbesondere bei hochdosierten Präparaten
  • **Dokumentation**: Stellen Sie sicher, dass Ihre Sicherheitsdossiers den aktuellen wissenschaftlichen Standards entsprechen
  • **Kennzeichnung**: Prüfen Sie, ob Ihre Produktkennzeichnung die vorgeschlagenen Höchstmengen berücksichtigt

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar. Für spezifische rechtliche Fragen konsultieren Sie bitte einen Fachanwalt für Lebensmittelrecht.

Quelle: [Archives of Medical Science](https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12703604/)

*Hinweis: Diese Zusammenfassung dient Informationszwecken. Die dargestellten Studienergebnisse sind keine zugelassenen Health Claims. Für detaillierte Informationen konsultieren Sie bitte die Originalquelle.