Vitamin B6: Steigende Berichte über Nervenschäden – Sicherheitsbedenken in den USA
Die Zahl der gemeldeten Vitamin-B6-Expositionen im US-amerikanischen National Poison Data System ist von 311 Fällen im Jahr 2014 auf 439 Fälle im Jahr 2024 gestiegen. Experten warnen vor den Risiken übermäßiger Supplementierung.
Die Zahl der gemeldeten Vitamin-B6-Expositionen im US-amerikanischen National Poison Data System ist von 311 Fällen im Jahr 2014 auf 439 Fälle im Jahr 2024 gestiegen. Diese besorgniserregende Entwicklung wirft wichtige Fragen zur Sicherheit hochdosierter Vitamin-B6-Präparate auf, insbesondere im Hinblick auf die erheblichen Unterschiede zwischen US-amerikanischen und europäischen Grenzwerten.
Alarmierender Anstieg der Meldungen
Die steigenden Fallzahlen sind besonders bemerkenswert, da sie einen klaren Trend über ein Jahrzehnt hinweg zeigen. Gesundheitsexperten führen dies auf mehrere Faktoren zurück:
- Zunehmende Popularität hochdosierter Nahrungsergänzungsmittel
- Aggressive Vermarktung von "Energie-Boostern" und Elektrolytgetränken
- Mangelndes Bewusstsein für potenzielle Nebenwirkungen
- Leichte Verfügbarkeit ohne ärztliche Beratung
Neurologische Nebenwirkungen im Fokus
Vitamin B6 (Pyridoxin) ist zwar ein essentieller Nährstoff, kann aber in hohen Dosen schwerwiegende neurologische Probleme verursachen:
Symptome einer B6-Neuropathie: - **Taubheitsgefühle** in Händen und Füßen - **Kribbeln und Brennen** in den Extremitäten - **Schmerzen** entlang der Nervenbahnen - **Gleichgewichtsstörungen** und Koordinationsprobleme - **Muskelschwäche** in fortgeschrittenen Fällen
Diese Symptome können schleichend auftreten und werden oft erst spät erkannt, da sie zunächst mild sein können.
Drastische Unterschiede bei Grenzwerten
Ein besonders kritischer Aspekt ist die enorme Diskrepanz zwischen den Sicherheitsgrenzwerten in verschiedenen Regionen:
| Region | Tolerable Upper Intake Level (UL) | |--------|-----------------------------------| | USA | 100 mg/Tag | | Europa | 12 mg/Tag | | Australien | 50 mg/Tag |
Diese Unterschiede werfen Fragen auf: - Warum ist der US-Grenzwert mehr als achtmal höher als in Europa? - Basieren die europäischen Werte auf neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen? - Sollten die USA ihre Grenzwerte überdenken?
Risikogruppen und Exposition
Besonders gefährdet sind:
1. Nutzer von Multivitaminpräparaten: Viele enthalten bereits 25-50 mg B6 2. Konsumenten von Energydrinks: Einige Produkte enthalten bis zu 100 mg pro Portion 3. Sportler: Oft werden mehrere B6-haltige Produkte kombiniert 4. Personen mit Selbstmedikation: Einnahme ohne ärztliche Überwachung
Wissenschaftliche Erkenntnisse
Studien zeigen, dass: - Nervenschäden bereits bei Dosen über 50 mg/Tag auftreten können - Die Symptome oft erst nach Monaten oder Jahren regelmäßiger Einnahme erscheinen - Die Schäden in einigen Fällen irreversibel sein können - Eine Erholung nach Absetzen Monate bis Jahre dauern kann
Empfehlungen für Verbraucher
Vorsichtsmaßnahmen: 1. **Überprüfen Sie alle Ihre Supplemente** auf B6-Gehalt 2. **Addieren Sie die Gesamtaufnahme** aus allen Quellen 3. **Bleiben Sie unter 25 mg/Tag** ohne ärztliche Aufsicht 4. **Konsultieren Sie einen Arzt** vor hochdosierter Supplementierung 5. **Achten Sie auf Frühsymptome** wie Kribbeln oder Taubheit
Bei Symptomen: - Sofort alle B6-Supplemente absetzen - Arzt aufsuchen für neurologische Untersuchung - Bluttest zur Bestimmung des B6-Spiegels durchführen lassen
Regulatorische Perspektive
Die steigenden Fallzahlen könnten zu regulatorischen Änderungen führen:
- **FDA-Überprüfung**: Mögliche Neubewertung der Sicherheitsgrenzwerte
- **Warnhinweise**: Strengere Kennzeichnungspflichten für hochdosierte Produkte
- **Verkaufsbeschränkungen**: Diskussion über rezeptpflichtige Abgabe bei hohen Dosen
Internationale Harmonisierung
Experten fordern eine bessere internationale Abstimmung der Sicherheitsstandards. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat ihre Grenzwerte auf Basis umfassender Risikobewertungen festgelegt, die auch neuere Studien zu neurologischen Effekten berücksichtigen.
Fazit
Die steigenden Berichte über Vitamin-B6-bedingte Nervenschäden unterstreichen die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs mit Nahrungsergänzungsmitteln. Während B6 ein wichtiger Nährstoff ist, zeigt dieser Fall deutlich, dass "mehr" nicht immer "besser" ist.
Verbraucher sollten: - Sich der Risiken bewusst sein - Dosierungen kritisch hinterfragen - Bei Unsicherheit professionellen Rat einholen - Auf Warnsignale des Körpers achten
Die Diskrepanz zwischen US- und europäischen Grenzwerten sollte Anlass für eine wissenschaftlich fundierte Neubewertung sein, um Verbraucher besser zu schützen.
*Hinweis: Diese Zusammenfassung dient Informationszwecken. Die dargestellten Studienergebnisse sind keine zugelassenen Health Claims. Für detaillierte Informationen konsultieren Sie bitte die Originalquelle.
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