ANSES: Neue Maßnahmen für mikrobiologische Sicherheit von Rohmilchkäse
Die französische Behörde ANSES hat neue Empfehlungen zur Kontrolle mikrobiologischer Gefahren in Rohmilchkäse und anderen Milchprodukten veröffentlicht.
# ANSES: Neue Maßnahmen für mikrobiologische Sicherheit von Rohmilchkäse
Die französische Agentur für Lebensmittel-, Umwelt- und Arbeitsschutz (ANSES) hat am 5. Februar 2026 eine umfassende Stellungnahme zur Kontrolle mikrobiologischer Gefahren in Rohmilchkäse und anderen Milchprodukten veröffentlicht. Diese folgt auf eine frühere Bewertung aus dem Jahr 2022, die wichtige mikrobiologische Risiken und Hochrisiko-Käsesorten identifiziert hatte.
Fokus der Bewertung
Der ANSES-Bericht konzentriert sich auf drei Haupterreger, die für die meisten Lebensmittelvergiftungen im Zusammenhang mit Rohmilchprodukten verantwortlich sind:
1. Salmonella 2. Listeria monocytogenes 3. Shigatoxin-produzierende Escherichia coli (STEC)
Neue Maßnahmen für Landwirtschaftsbetriebe
ANSES schlägt mehrere präventive Maßnahmen auf Betriebsebene vor:
Tiergesundheit - Rinderherden sollten frei von spezifischen Hochrisikobakterien gehalten werden - Regelmäßige veterinärmedizinische Kontrollen - Implementierung von Biosicherheitsmaßnahmen
Produktionsprozess - Schnelle Milchansäuerung während der Käseherstellung ist entscheidend - Optimierung der Fermentationsbedingungen - Strikte Hygienemaßnahmen in der Produktion
Empfehlungen für Verbraucher
ANSES gibt klare Richtlinien für den sicheren Umgang mit Rohmilchkäse:
Lagerung - Käse bei Temperaturen nicht über 4°C lagern - Kühlkette konsequent einhalten - Verpackungshinweise beachten
Risikogruppen Folgende Personengruppen sollten Rohmilchkäse meiden (außer gekochte Sorten oder Hart-Schnittkäse): - Kleinkinder - Schwangere Frauen - Ältere Menschen - Immungeschwächte Personen
Regulatorische Bedeutung
Die ANSES-Empfehlungen haben weitreichende Implikationen:
Für Hersteller 1. Überprüfung und Anpassung der HACCP-Konzepte 2. Verstärkte Kontrollen entlang der Produktionskette 3. Schulung des Personals 4. Dokumentation der Maßnahmen
Für Behörden - Grundlage für aktualisierte Vorschriften - Verschärfte Kontrollen bei Betriebsinspektionen - Mögliche Anpassung der mikrobiologischen Kriterien
Europäischer Kontext
Die ANSES-Stellungnahme ist besonders relevant vor dem Hintergrund:
- Neue EU-Mikrobiologische Kriterien für Listeria monocytogenes (erwartet Februar 2026)
- Harmonisierung der Lebensmittelsicherheitsstandards in der EU
- Zunehmende grenzüberschreitende Handelsströme
Praktische Umsetzung
Für Käsereien und Molkereien bedeutet dies:
1. Kurzfristig (2026) - Überprüfung bestehender Kontrollsysteme - Schulung der Mitarbeiter - Anpassung der Dokumentation
2. Mittelfristig (2026-2027) - Investitionen in Produktionstechnologie - Optimierung der Fermentationsprozesse - Aufbau von Monitoring-Systemen
3. Langfristig - Kontinuierliche Verbesserung - Integration neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse - Zusammenarbeit mit Landwirten
Bedeutung für die Lebensmittelsicherheit
Der ANSES-Bericht unterstreicht die Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes für die Lebensmittelsicherheit:
- **Vom Stall bis zum Teller**: Kontrolle entlang der gesamten Produktionskette
- **Wissenschaftsbasiert**: Entscheidungen auf Basis aktueller Forschung
- **Präventiv**: Fokus auf Vorbeugung statt Reaktion
- **Verbraucherschutz**: Klare Kommunikation von Risiken
Die Empfehlungen zeigen, dass Rohmilchkäse bei richtiger Herstellung und Handhabung sicher sein kann, aber besondere Sorgfalt erfordert. Für Risikogruppen bleibt Vorsicht geboten.
Quellen
- ANSES: "Contrôle des dangers microbiologiques dans les fromages au lait cru" (5. Februar 2026)
- ANSES: Frühere Bewertung zu mikrobiologischen Risiken in Rohmilchkäse (2022)
*Hinweis: Diese Zusammenfassung dient Informationszwecken. Die dargestellten Studienergebnisse sind keine zugelassenen Health Claims. Für detaillierte Informationen konsultieren Sie bitte die Originalquelle.
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